Rückblick

14 Jahre Balkantage

2020

Frauen aus dem Balkan – Wo bleibt der Respekt?

In den ehemals sozialistischen Staaten des Balkan hatten und haben die gesellschaftliche Transformation, militärische Konflikte, Europäisierung, Transformation, Migration, sozialer Wandel, wirtschaftliche Krisen und neuerdings auch die Rückkehr teilweise autokratischer politischer Strukturen einen erheblichen Einfluss auf die Position des weiblichen Teils der Bevölkerung. Vor dem Gesetz sind Frauen und Männer dort zwar heutzutage offiziell gleichberechtigt, dennoch werden Frauen in sämtlichen Lebensbereichen benachteiligt, sei es durch systemische Diskriminierung oder häusliche Gewalt.

Highlight war deshalb die Dialogveranstaltung im Münchner Stadtmuseum zum Thema „Frauen auf dem Balkan – Herausforderungen in Zeiten von Globalisierung und Renationalisierung“, in der erfolgreiche, starke Frauen aus verschiedenen Blickwinkeln über ihre Heimatländer berichten. Sonja Biserko vom Helsinki-Komitee für Menschenrechte in Serbien, Nora Hasani, Geschäftsführerin der Kosovarisch-Deutschen Wirtschaftsvereinigung und Jagoda Rosul-Gajic vom Zentrum für Sprachen und interkulturelle Kommunikation in Augsburg thematisierten dabei unter anderem den Einfluss der EU-Beitrittsverhandlungen auf die Gleichstellungspolitik in Serbien und Montenegro, wo die Geschlechtergerechtigkeit bisher deutlich unter dem EU-Durchschnitt liegt.

Auch Filmdarbietungen wie „Oma Export“ zeigten starke Frauen, die entschlossen für ihre Wünsche eintreten und sich nicht unterkriegen lassen. Während des gesamten Programms wurde zudem immer wieder Bezug auf Frauen genommen: Sie traten als Akteurinnen in Filmen, Regisseurinnen, Rednerinnen, Künstlerinnen oder beim Balkanbasar sowie dem Literaturabend (Autorin Nina Basovic) mit Musik (Jelena Jückstock) auf.

Ein Highlight sollte auch die Ausstellung „Balkan Girl Power“, in der 100 junge Frauen in ihren Kunstwerken die Rolle der Balkan-Frauen reflektieren, werden – diese fiel jedoch leider der Corona-Pandemie zum Opfer. Auch weitere Konzerte, Filmvorführungen sowie der Literaturtag und das große Balkankonzert von Urban&4 mussten abgesagt werden.

2019

Raum der Möglichkeiten

Alles ist möglich, heißt es immer. Aber stimmt das wirklich für jede Gruppe einer Gesellschaft, jedes Land, jeden Erdteil? Manchmal sind die Umstände zwar widrig, aber der Wille ist deshalb umso größer, die vorhandenen Möglichkeiten maximal auszunutzen. Aus den Voraussetzungen das Beste zu machen – dort, wo man sich wohl und zu Hause fühlt. Viele Menschen sehen in EU Investitionen und neuen Projekten auf dem Balkan einen Hoffnungsschimmer für eine positive Entwicklung in allen Bereichen, Migranten kehren auch deshalb zurück in die Heimat, um diese Entwicklung voranzutreiben und mit zahlreichen Anderen für Gerechtigkeit, Gleichheit und ihre Rechte zu protestieren und einzutreten. Was bewegt diese Menschen und was erhoffen sie sich von der zukünftigen Entwicklung im Raum der Möglichkeiten?

Neben der Eröffnungsdiskussion beschäftigte sich vor allem das Balkanfilmfestival intensiv mit Gedankenspielen einer besseren, offeneren Zukunft und einer Fülle an Möglichkeiten ganz im Sinne von: Was wäre, wenn? „The Constitution“ stellt sich bspw. die Frage, was passiert, wenn der Zufall Menschen unterschiedlichster ethnischer und religiöser Hintergründe zusammenbringt, die freiwillig sonst nie miteinander sprechen würden. „Die andere Seite von allem“ hingegen thematisiert Widerstand und Rebellion getragen von dem Wunsch nach Gerechtigkeit in Serbien und den unermüdlichen Einsatz für die Erreichung dieses Ziels.

Die Ausstellung „Stari Most – München/Mostar, eine Brücke der Hoffnung“ und die Diskussion zum „Einfluss der Migration auf die Literatur“ gaben ebenfalls Impulse, wie viel möglich ist, wenn man Ziele hat und sich unermüdlich für deren Realisierung einsetzt.

Zwischendurch wurde das Programm immer wieder durch Konzerte, wie das der rumänischen Balkan-Soul-Gruppe „Zmei3“, eine Stand-up Comedy Darbietung zum Leben zweier Gastarbeiter sowie ein grandioses Abschlusskonzert von Jacques Houdek und Ilma Karahmet aufgelockert.

2018

Traumland Deutschland

Mit diesem Motto hinterfragten die diesjährigen Balkantage die Perspektiven für Migranten in Deutschland gestern und heute sowie die gesellschaftlichen Folgen der Abwanderung in den Balkanländern – 50 Jahre nach dem Gastarbeiter Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und dem ehemaligen Jugoslawien. Damals wie heute boten sich nicht nur Chancen durch die Emigration. So kamen die Menschen vom Balkan damals als Gastarbeiter oder Kriegsflüchtlinge in ein Land, das Perspektiven und Hoffnung bot, die sich jedoch nicht für alle gleichermaßen erfüllten. Auch heute ist der Strom nach Deutschland groß. Neben Geflüchteten aus Kriegsgebieten kommen weiterhin junge, gut ausgebildete Menschen vom Balkan. Die Gründe der Flucht variieren, Verläufe ähneln sich, die Geschichte wiederholt sich in Teilen, denn auch heute erfüllt sich nicht für jeden der Traum eines besseren Lebens.

Kritisch wird in der Podiumsdiskussion zum Thema „Traumland Deutschland – Gastarbeit 1986-2018“, die Abwanderung hinterfragt. Auch der Brain drain heute wird in einem Gespräch in Starnberg in erneuter Kooperation mit “Kunsträume am See” von und mit Elisabeth Carr thematisiert und Sadija Klepo betont, dass man diesen Menschen den Mut zurückgeben müsse, ihre Bildung in ihrer Heimat zu nutzen, um sich auch dort ihre Träume zu erfüllen und damit ihr Land weiterzuentwickeln.

Künstlerisch wird auch der Entwurzelung durch Flucht eine Plattform geboten. Menschen, die sich weder in Herkunfts- noch in ihrem Zielland zu 100 % angenommen und akzeptiert fühlen, aber die dennoch den Mut nicht verlieren, wie ein Film der jungen syrischen Regisseurin Afraa Batous zeigt. Feinfühlig werden auch in weiteren präsentierten Filmen, wie „Zaba“ oder „My own private war“, Kriegstraumata aufgearbeitet oder musikalische Vergangenheitsbewältigung bei einem schwermütigem Fado Konzert von Božo Vrećo betrieben.

2017

25 Jahre später: Der lange Schatten der Jugoslawien-Kriege

Wie während und nach den Jugoslawien Kriegen bestimmen heute ähnliche Zustände die europäische Gesellschaft. Krisenherde auf anderen Kontinenten bewirk(t)en einen neuen Flüchtlingsstrom. Was unterscheidet die Situation und die Migrationswellen damals von heute? Welche Schlussfolgerungen hätte man für die Integration ziehen können und inwieweit haben die Migranten mit ihren unterschiedlichen Kulturen unser Land beeinflusst und bereichert? Wie wirken Auswanderung und Flucht sowie die Zerstörung durch den Krieg in den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien bis heute nach? Welche Auswirkungen haben diese Kriege noch immer auf die Jugend von heute und wie spiegelt sich die Zerrissenheit einer Generation mit fehlender Perspektive, aber großen Hoffnungen und Träumen wider?

Bereits bei der Auftaktveranstaltung wurden in einer Diskussion zum Thema „Der lange Schatten des Krieges“ all diese Fragestellungen adressiert und vor allem die wirtschaftliche und politische Stagnation sowie die Abwanderung vieler gut ausgebildeter, junger Menschen thematisiert.

Behandelt wurden die Perspektivlosigkeit der Jugend („Losers“), ihre Hoffnungen und Träume („Vier Pässe“) und die Nachwirkungen der Vergangenheit („Unsichtbare Narben – Vergewaltigung als Kriegsverbrechen“) auch im Rahmen der Balkanfilmtage.

Die 25-jährige Geschichte des Vereins Hilfe von Mensch zu Mensch und seiner Gründerin, Sadija Klepo, die selbst 1992 als Flüchtling nach Deutschland kam und anschließend die Menschen in den Kriegsgebieten mit Hilfstransporten unterstützte, stand diesmal im Rahmen einer Ausstellung ebenfalls im Zentrum des Festivals. Bilder zeigten die bewegte Geschichte der Hilfsorganisation und ihres Wirkens, ergänzt durch Kalligrafien von Mirsad Smajovic.

Nicht zuletzt fand das Festival 2017 unter dem Titel „Möglichkeitsräume“ auch erstmals im Münchner Umland statt. Dort erhielten die Besucher viele Denkanstöße, bspw. durch einen Vortrag zum Thema Heimat. „Sei es nicht bedenklich, wenn Menschen Heimat in einem Satz definieren könnten, weil dann sofort klar wäre, wer für sie nicht dazu gehöre?“

2016

Den wahren Balkan entdecken.
Europas unbekanntes Juwel

Mehr als 200.000 Menschen, die ihre Wurzeln in den Ländern des Balkans haben, leben in München. Durch sie – und in besonderer Weise durch Veranstaltungen, wie die Balkantage – können wir jeden Tag die kulturelle Vielfalt Südosteuropas entdecken. Bunt, wie die Balkanblume – geformt aus den einzelnen Länderflaggen und Symbol der Balkantage – war auch 2016 das Programm zu dieser einzigartigen, facettenreichen Region.

Während bei einer Podiumsdiskussion zu Beginn des Festivals zum Thema „Gleiches Recht für alle?“  in einer schonungslosen Analyse neben dem Potential der Region viele dort herrschende Probleme – wie Arbeitslosigkeit, Brain drain und versickernde EU Gelder, thematisiert wurden, konzentrierten sich die beiden Fotoausstellungen „Gesichter Bosniens“ und „Balkan in Farbe“ auf positive Bilder.

Bei Musik, Tanz und Vorträgen, die u.a. zur Sensibilisierung zwischen „Balkanbild und Balkanrealität“ beitragen sollten, konnten sich die Besucher weiter von den Balkanländern faszinieren lassen.

Auch die Theateraufführungen, wie Lew N. Tolstois „Die Kreutzersonate“ oder „Warum das Kind in der Polenta kocht“, waren thematisch ebenso vielseitig wie das Programm der Balkanfilmtage, kuratiert von Oliver Tataru.

Die gezeigten Filme, wie „Chuck Norris vs. Communism“, „Babai“ oder „Der serbische Anwalt“ waren dabei nicht nur thematisch von hoher Aktualität. Durch die Anwesenheit hochklassiger Gäste und sich an die Filme anschließende Vorträge („Image of Women in Contemporary bosnian-h. Cinema“) und Diskussionen gewann das Programm zusätzlich an Substanz.

Absolutes Highlight war das große Balkankonzert mit der Sängerin Milica Milisavljevic Dugalic aus Belgrad sowie der Gruppe Divanhana aus Sarajewo. Letztere zogen das Publikum mit modernen Versionen der traditionellen bosnischen Lieder, der Sevdalinka, völlig in ihren Bann.

2015

Roma auf dem Balkan

Da die Situation der Sinti und Roma trotz einer immer stärker aufgeklärten Zivilgesellschaft häufig prekär oder schwierig ist, stand bei den diesjährigen Balkantagen diese oftmals vergessene und vernachlässigte Bevölkerungsgruppe im Mittelpunkt. Bei Ausstellungen, Lesungen, Filmvorführungen und Podiumsdiskussionen sollte die Vielfältigkeit, Geschichte und Kultur dieser Minderheit näher beleuchtet werden, um gemeinsam Vorurteile abzubauen und den eigenen Horizont zu erweitern.

Besonders die drei Ausstellungen „Romaseele: Portraits und Poesie“ von Tom Xylander und Karina Alanis, „Roma Feiern und Feste“ von Maja Gugleta und „Bei den Roma in einem rumänischen Dorf“ von Maja Badur stellten den Mensch an sich mit seiner ihm eigenen Authentizität, Kultur und Lebensfreude, die Respekt verdienen, in den Vordergrund sowie seine Lebensumstände und seinen Alltag.

Bei der Gesprächsrunde „Roma auf dem Balkan“ unter Moderation des wissenschaftlichen Leiters des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Herbert Heuß, wurde die aktuelle Situation der Roma auf dem Balkan sowie in Deutschland geschildert, um die Probleme, auf welche diese Minderheit stößt, zu erläutern und auch das Publikum dazu anzuregen, sich damit zu beschäftigen.  In weiteren Vorträgen, bspw. zur Roma-Strategie der Europäischen Kommission sowie Antiziganismus in der deutschen Gesellschaft, wurden weitere Denkanstöße gegeben.

Ein Grundproblem von Ablehnung oder Rassismus gegenüber einzelnen Bevölkerungsgruppen ist nämlich auch fehlendes soziales Wissen, bspw. zu deren Kultur. Deshalb wurde dem Zuschauer in weiteren Veranstaltungsformaten zudem die Kultur der Roma filmisch (bspw. „Ich traf sogar glückliche Zigeuner“, „René, ein fränkischer Sinto”), musisch (Galakonzert ESMA REDŽEPOVA & ESMA’S BAND), haptisch (Verkauf von Modeschmuck im Gipsy Style) und kulinarisch vermittelt.

2014

100 Jahre nach dem Sarajevo-Attentat

Vor 100 Jahren nahm in Sarajewo mit dem Attentat auf den österreich-ungarischen Thronfolger kurz darauf auch der erste Weltkrieg seinen Anfang. 100 Jahre später stellt sich immer noch die Frage, was können wir Europäer heute tun, um in der Welt ein friedliches Miteinander zu schaffen und langfristig zu erhalten? Wie können nationalistische Intoleranz und trennende Elemente der Religionen oder Kulturen durch Gemeinsamkeiten, interkulturelle Brücken und ein tolerantes Zusammenleben überwunden werden?

In diesem Sinne wurde bei den diesjährigen Balkantagen bspw. durch die Ausstellung „Sarajevo 1914“ von Abida Ruppert die Situation vor 100 Jahren thematisiert und aufgearbeitet als auch die Frage nach den seither geschehenen Veränderungen und Folgen gestellt.

So war ein zentrales Element die Veranstaltung junge Literatur, bei der es darum ging, wer oder was bin ich und wie definiere ich meine Identität. Diese Frage versuchten Jugendliche einerseits bei einem Schreibwettbewerb zum Thema: „Ein Tag, der die Welt veränderte. 100 Jahre nach dem Sarajevo-Attentat“ literarisch zu beantworten, andererseits beleuchtete eine Filmaufführung diese Thematik intensiv. Durch diese modernen Formate sollten junge Menschen dazu angeregt werden, sich mit Geschichte und Vergangenheit auseinanderzusetzen, gleichzeitig aber die Folgen für die Gegenwart bedenken und erkennen.

Auch die Fotoausstellung MOnuMENTI, welche die Entwicklung von Identitätskonzepten in den Ländern des westlichen Balkans im Verlauf des 20. Jahrhunderts zeigt, soll diesen konstruktiven Umgang mit der Vergangenheit unterstützen.

Das wissenschaftlich-literarische Programm wurde aber stets durch künstlerische Formate, wie ein bewegendes Konzert des Gitarristen Sanel Redžić sowie Filmaufführungen, wie Tzvetanka und Mama Europa, und den Balkanbasar aufgelockert und hervorragend ergänzt.

2013

Bilder und Gesellschaft in Bewegung

Der Verein Hilfe von Mensch zu Mensch hat dem Begriff Balkan über die Jahre hinweg nicht nur eine positive Konnotation und einen neuen Klang verliehen, sondern prägte auch die Sicht auf die dortigen Länder als Symbol des reichen europäischen Kulturraums maßgeblich. Nichtdestotrotz sollen die Münchner Balkantage auch als Mahnung und Erinnerung dienen, dass ein Großteil der Menschen der Balkanländer immer noch im Hinterhof Europas ausharren muss. Gerade deshalb ist die Aufnahme Kroatiens als 28. Mitglied der EU in diesem Jahr ein Zeichen der Hoffnung für eine baldige vollständige europäische Integration der Balkanländer und deshalb auch thematischer Schwerpunkt der diesjährigen Balkantage.

So lag nicht nur die musikalische Umrahmung der Eröffnungsveranstaltung in kroatischer Hand, bei der die Sopranistin Alma Karmelic aus Split alle mit ihrem Gesang verzauberte, sondern auch die Eröffnung der Balkanfilmtage durch den kroatischen Konsul Ante Jovic. Zudem stand unter anderem der kroatische Film „Halimin Put“ des preisgekrönten Regisseurs Arsen A. Ostojić neben der serbischen Komödie „Parada“ von Srdjan Dragojević auf dem Programm.

Um jedoch der Vielfältigkeit des Balkans gerecht zu werden, wurde die Vorstellung eines Länderportraits zu Kroatien um zwei weitere zu Bosnien-Herzegowina von und mit Mario Gerussi und Nadir Cukurija sowie zu Bulgarien in Form eines bebilderten Vortrags von Andreas Keiser ergänzt. Zudem fand eine einzigartige Kunstausstellung mit Werken der Strohtechnik aus Bunjevac in der Batschka/Serbien statt.

Bei einem großartigen Konzert im Gasteigs traten schließlich noch die bekannteste mazedonische Ethnogruppe „Synthesis“ und die serbische Sopranistin Jelena Bodrazic auf, die die hohe kulturelle Diversität des Balkans abermals musikalisch untermalten.

2012

Wie 20 Jahre Einsatz die Welt verändern…

Die Balkantage beweisen jedes Jahr aufs Neue die erfolgreiche Zusammenarbeit und Integration der aus dem Balkanraum stammenden Menschen in München. Denn trotz der heutigen Aufteilung in mehrere, meistens neue Staaten, haben die Menschen dieser Region eine gemeinsame Geschichte und Tradition, die Kriege und Aufteilung überlebten und in die Gegenwart wirken. Unter diesem Aspekt dienen die Balkantage der Entdeckung des Gemeinsamen und der Überwindung der Barrieren zwischen den einzelnen Gruppen. Dafür setzen sich Hilfe von Mensch zu Mensch e.V. und seine Gründerin Sadija Klepo nun bereits seit 20 Jahren unermüdlich ein.

Diesem Jubiläum wurde in einem großartigen Konzert mit der Band Mostar Sevdah Reunion im Herkulessaal der Residenz gedacht, wo auch Sadija Klepo für ihr außerordentliches Engagement geehrt wurde.

Neben dem Vereinsjubiläum stand in diesem Jahr das literarische und wissenschaftliche Programm ganz im Zeichen aktueller Politik und internationaler Strafverfolgung der Kriegsverbrechen, die während der jugoslawischen Nachfolgekriege geschehen waren. Highlights waren vor allem der Vortrag von Dr. Armina Galijaš über den Bosnienkrieg sowie der Vortrag des stellvertretenden Leiters des Sarajevoer Büros des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien, Günter Schweiger, zur Arbeit seiner Behörde sowie zu Gerechtigkeit auf dem und für den Balkan.

Dieses Spannungsfeld zwischen Vielfältigkeit und Gemeinsamkeit sowie von Krieg und Frieden fand sich auch bei den Filmvorführungen, bspw. in dem Film „In the land of blood and honey“, wieder und rundete die Balkantage thematisch ab.

2011

Heilt Zeit wirklich alle Wunden?

Unter Schirmherrschaft von Staatsministerin Müller fanden 2011 die 5. Balkantage mit dem Motto „Demokratie und demokratisches Denken auf dem Balkan“ statt. Ziel war es, die Probleme, aber auch die Leistungen der Menschen aus den Balkanländern in den Blickpunkt zu rücken und Bewusstsein zu schaffen, dass deren Geschichte und Kultur in Bayern nicht in Vergessenheit geraten.

Dies gelang zunächst durch eine musikalische Begegnung der Kulturen mit dem Frauenchor Tuzlanke, der Rockband Stari Grad aus Srebrenica sowie der mazedonischen Brassband Gypsy-Mambo Kocani.

Im Anschluss zog sich das Motto durch den Balkanbasar, das Kulturprogramm mit einer Modenschau von Amela Radan aus Sarajewo, zahlreiche Folkloredarbietungen sowie eine Ausstellung zum Gedenken an den jugoslawischen Nobelpreisträger Ivo Andric.

Dieser rote Faden wurde auch im Rahmen des Balkanfilmtags mit mittlerweile acht Filmen, gezeigt im Gabriel Filmtheater, sichtbar. Spuren hinterließ vor allem der Film Belvedere von Ahmed Imamovic, der in dokumentarischer Darstellung dem Leben im heutigen Srebrenica nachgeht. Er zeichnet nach, wie die Überlebenden des Massakers mit der Wirklichkeit des Zusammenlebens von Opfern und Tätern kämpfen und beweist, dass die Wunden von Srebrenica noch lange nicht verheilt sind.

Die wissenschaftliche Abrundung und das Highlight der Balkantage bestand schließlich in den Ausführungen des Hohen Repräsentanten von Bosnien-Herzegowina, Valentin Inzko, sowie der sich anschließenden Podiumsdiskussion zum Thema „Demokratie auf dem Balkan“ mit hochkarätigen Gästen. Fazit war es, dass die Bereitschaft zur Einhaltung demokratischer Spielregeln hoch ist, jedoch Prozesse wie die Achtung von Minderheitenrechten sowie die Ablöse von autokratischen Verhaltensweisen der alten Eliten noch nicht überall abgeschlossen sind.

2010

Ein bisschen Balkan für München…

Auch im Jahr 2010 starten die Balkantage fulminant mit Auftritten der Kulturgruppen Lipa mit slowenischen Trachten und Tänzen und Iliria mit albanischen Liedern und Tänzen sowie einer Podiumsdiskussion zum Thema „Europa auf dem Weg zur Balkanisierung“.

Dabei diskutierten Länderexperten für Rumänien, Griechenland, Kroatien und den Kosovo gemeinsam mit der Vorsitzenden der Wahlbeobachtungsdelegation des EP bei Wahlen in Bosnien, dem Kosovo und Albanien, Frau Pack, die südöstliche Kleinstaaterei und ihre Folgen. Es wurden zudem Fragen wie die Grenzen staatlicher Souveränität oder die Rechte für Bevölkerungsgruppen und Minderheiten thematisiert ebenso wie die Forderung nach wirklicher Integration dieser Länder in die europäische Gemeinschaft abseits einer reinen Aufhebung der Visumspflicht.

In der Lesung von Sibylle Lewitscharoff aus ihrem Roman Apostoloff zum Thema der staatlichen und gesellschaftlichen Verfasstheit des heutigen Bulgariens vereinigte sich schließlich das Wissenschaftliche mit dem Kulturellen. Kulturellen Inhalten wurde zudem beim Balkanbasar sowie bei den zweiten Balkanfilmtagen eine Plattform geboten.

Ihren Abschluss fanden die Balkantage 2010 schließlich mit einem Konzert der Musikgruppe Chartbreaker sowie dem Auftritt der bosnisch-herzegowinischen Gastgruppe Mostar Sevdah Reunion, die den Balkanblues nach München brachten.
In diesem Rahmen stellten sich auch einige Kandidaten für die Wahl des Ausländerbeirats München vor und der amtierende Vorsitzende dieses Gremiums, Cumali Naz, betonte abermals die herrschende Diskrepanz zwischen den gleichen Bürgerpflichten für Ausländer und teils fehlenden, gleichen Bürgerrechten, z.B. des kommunalen Wahlrechts, für diese Gruppe.

Somit wurde im Rahmen der vierten Balkantage der weiterhin bestehende Handlungsbedarf für kulturelle Sensibilisierung deutlich, aber gleichzeitig auch ein hohes Interesse für diese Länder und Kulturen.

2009

Ein Format etabliert sich…

 „Der Balkan im Dialog – Ein anderes Bild vom Balkan“ – Die zentrale Botschaft bestand in diesem Jahr darin, zu zeigen, dass der Balkan nichts Chaotisches oder gar Bedrohliches hat, sondern vielmehr ein vielgestaltiger und lebensvoller Teil von Europa ist.

Verschiedene Konzerte, eine Podiumsdiskussion zum Thema „Dialog der Religionen im Balkanraum“ sowie der erstmalig in diesem Jahr stattfindende Balkanfilmtag rückten die kulturelle Vielfalt und gelungene Integration der verschiedenen Völker in Bayern in den Vordergrund.

Kultureller Höhepunkt war neben dem bunten Balkanbasar umrahmt von künstlerischen Darbietungen, bspw. des Kulturvereins Vitkovici aus Bosnien-Herzegowina, und einem Kinderprogramm mit Bücherbasar ein Kulturabend. Bei diesem stand nach erneutem Auftritt der Folkloregruppen Jelek und Gajda der in Montenegro geborene albanische Sänger Suad Mehmeti mit seiner Gruppe Trilogie der Lust im Zentrum.

Ein weiteres Highlight war der erstmalig stattfindende, von Michael Rüdel arrangierte Balkanfilmtag. Es wurden vier preisgekrönte, bisher nicht in Deutschlang gezeigte Filme vom Balkan, wie die Rota Zora, im Rio Filmpalast mit anschließender Filmbesprechung präsentiert.

Ihren Abschluss fanden die diesjährigen Balkantage in einem großen Livekonzert. In der Muffathalle unterhielt die Band „Trovači“  das Publikum mit selbstironischen Texten, die einen balkanisierten Blick auf den deutschen Alltag boten. Zudem trat der legendäre serbische Sänger Vlada Divljan („Ex-Idoli“) auf.

Alles in allem diversifizierten sich auch in diesem Jahr die Veranstaltungsformate weiter und eröffneten neue, spannende Blickwinkel. Somit gelang es dank der Balkantage erneut ein Stück mehr, ein anderes Bild der Balkanländer zu vermitteln.

2008

Never Change a Winning Team…

Nach dem herausragenden Erfolg und der durchweg positiven Resonanz zu den ersten Balkantagen im Vorjahr fand 2008 die zweite Ausgabe der Balkantage unter dem Motto „Vom Balkan an die Isar“ statt.

Ein Highlight war bereits das Eröffnungskonzert der mazedonischen Sängerin Esma Redžepova, „der Königin der Romamusik“, zweisprachig moderiert von Sadija Klepo und umrahmt von verschiedensten, musischen Darbietungen sowie einer Modenschau handgefertigter Kleiderkreationen der Schneidermeisterin Snežana Radosavjević aus Niš.

Wie der Münchner EU-Abgeordnete Bernd Posselt in seiner kurzen Begrüßung feststellte, waren die gelungene Repräsentation der Menschen aus den Balkanländern in München in ihrer Art beispielhaft für eine grenzüberschreitende europäische Zusammenarbeit.

Im Laufe der weiteren Formate wurde eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen dem Balkan gestern und heute sowie der Integration der Balkanes*innen heute in Deutschland und München geschlagen.

Thematisiert und veranschaulicht wurde dies einerseits im Rahmen einer Ausstellung zum Thema „Der Balkan in historischen Karten“, andererseits bei verschiedenen wissenschaftlichen Diskussions- und Lesungsformaten rund um die Rolle der jugoslawischen Gastarbeiter, die heute den größten Teil der balkanesischen Community in München ausmachen.

Erstmalig fand 2008 der Balkanbasar mit vielen, verschiedenen Ständen, vorbereitet von engagierten Marketing- Entrepreneurin Edina Matosevic statt. Er wurde von einem durchgehenden Kultur – und Musikprogramm verschiedenster Gruppen umrahmt sowie kulinarisch durch hausgemachte Cevapcici und Baklava von Konoba Budimir unterstützt. Die diesjährige Veranstaltung war bereits deutlich größer als die ersten Balkantage 2007, überzeugten durch den neu integrierten Basar und begannen sich als einzigartiges Format mit großer Diversität zu etablieren.

2007

Wie alles begann…

Die ersten Balkantage fanden als gemeinsame Veranstaltung von Hilfe von Mensch zu Mensch e.V. und dem Südost Institut auf Initiative und unter Leitung von Sadija Klepo statt. Zusammen mit Dr. Dieter Hüttner hat sie das Konzept erarbeitet mit dem Ziel, die mit zahlreichen Vorurteilen und Stereotypen belegten Vorstellungen der Deutschen über den Balkan zu thematisieren, aber auch möglichst zu korrigieren bzw. zu revidieren.

Bei einer Fotoausstellung zum Thema „Erinnerungen an die Balkankriege 1991 – 1999“, einem Klavierkonzert des Pianisten Zoran Imširović und drei Lesungen, die das herrschende Bild über die Balkanländer unter Deutschen und den dort lebenden Menschen verglichen, bot sich ein alternativer Blickwinkel auf den Balkan.

Das Highlight der ersten Balkantage stellte eine Podiumsdiskussion zu den aktuellen europäischen Perspektiven auf die Balkanländer dar, die große Resonanz, auch bei jungen Menschen, fand. Auf der Bühne diskutierten Fachleute, wie der Abgeordnete des Europäischen Parlaments Bernd Posselt, der Bundestagsabgeordnete Rainer Sinner sowie Länderexperten aus Bosnien, Frau Prof. Hadžiahmetović, und dem Kosovo, Herr Cufai, die besondere Situation beider Länder aus verschiedenen Blickwinkeln. Zudem wurde das bayerische Interesse an stabilen Verhältnissen in diesen Ländern von Vertretern der bayerischen Staatskanzlei und der IHK München Oberbayern betont.

Am Folgetag fanden weitere Formate zur Vorstellung der Projekte des Vereins HVMZM sowie künstlerische Darbietungen statt. Insgesamt hat nicht nur das interessante Diskussionsthema der erstmalig stattfindenden Balkantage den Zahn der Zeit getroffen, sondern die Gesamtveranstaltung war ein großer Erfolg und sollte deshalb in den Folgejahren als jährlich stattfindendes Format mit anspruchsvollem und vielfältigem Programm einen festen Platz im Münchner Veranstaltungskalender finden.

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