Die Balkantage bauen Brücken zwischen der deutschen Gesellschaft und Migrant*innen und zwischen der Diaspora und dem Balkan. Auch in unserer Erinnerungskultur müssen Brücken gebaut werden, denn nicht nur auf dem Balkan ist die Erinnerungskultur zersplittert. Menschen in Westeuropa neigen dazu, den Balkan nicht als Teil Europas anzusehen und die Kriegsgeschichte auf dem Balkan nicht mit der Geschichte Europas zu verbinden. Das wird der Geschichte nicht gerecht und trägt zu fehlendem kulturellen Verständnis und Ausgrenzung bei. Auf den Balkantagen wollen wir dieses Verständnis und die Integration stärken, indem wir Menschen aus verschiedenen Teilen Europas zusammenbringen und den Austausch über Geschichte und Erinnerungen fördern.

Besonders zeichnet die Balkantage aus, dass sie einen fried- und freudvollen Anlass zum Austausch der schönsten Aspekte der Kulturen des Balkans bieten: Kunst, Musik, Essen, und vieles mehr. Denn es gibt so vieles, auf das die Balkanvölker zusammen und mit Stolz zurückblicken können, ihre Traditionen, ihre Gastfreundschaft und ihre eng verbundenen Kulturen. So werden positive Erinnerungen gemeinsam geschaffen und gestärkt. Auf dieser Gesprächsbasis kann eine gemeinsame Aufarbeitung der Vergangenheit stattfinden.

Während das Zielpublikum der Balkantage die Diaspora sowie alle anderen Menschen umfasst, die ein Interesse an kulturellem Austausch haben, sind uns junge Menschen besonders wichtig. Besonders junge Menschen brauchen einen gemeinschaftlichen und positiven Kontext für die Verarbeitung von schwierigen Erinnerungen – seien es ihre eigenen oder die ihrer Familie – und die Schaffung von schönen, neuen Erinnerungen. Dazu werden die Balkantage 2022 mit dem Thema “Erinnerungskultur” einen wichtigen Beitrag leisten.

Wir sehen den Westbalkan als den Innenhof Europas. Gerade die aktuellen Spannungen in dieser Region Europas zeigen, wie zerbrechlich der Frieden ist, wie wenig es braucht, um alte nationalistische und ausgrenzende Ressentiments zu schüren und wieder aufflammen zu lassen. Wir sehen die junge Generation in der Diaspora in der Verantwortung, die Stimme zu erheben und aktiv zu werden. Und das in Zusammenarbeit mit Jugendlichen aus den Ländern der Region. Denn wir können von den Erfahrungen der Menschen vor Ort profitieren, um ihre Perspektive auf die aktuellen Geschehnisse zu erhalten.

Um dies zu erreichen, möchten wir während der Balkantage ein Symposium für Jugendliche des West-Balkans organisieren, um deren Ideen, Impulse und Bedürfnisse aufzunehmen. Damit meinen wir sowohl Jugendliche direkt aus der Region, aber auch Vertreter*innen von Migrantenorganisationen in Deutschland, die sich im Kontext ihres Ursprungslandes engagieren. Das Symposium steht dabei sinnbildlich für einen Schirm, unter dem wir alle relevanten Themen für die Diaspora, aber auch die Gesellschaften der Westbalkan-Länder sammeln möchten.