Literaturtag

Di16Jun18:30Di21:00LiteraturtagInternationales Begegnungszentrum der Wissenschaft München e. V.

Zeit

16. Juni 2026 18:30 - 21:00

Ort

Internationales Begegnungszentrum der Wissenschaft München e. V.

Amalienstr. 38, 80799

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Info

Lesung aus dem Roman „Der letzte Delfinjäger“ (2026) von Zachari Karabashliev

Im Anschluss: Europa vom Balkan aus gesehen Zachari Karabashliev und Dagmar Leupold im Gespräch

Im Mittelpunkt des Gesprächs stehen die kulturellen und historischen Besonderheiten sowie deren Einfluss auf Literatur und Gesellschaft. Wie reagieren Schriftstellerinnen und Schriftsteller auf gesellschaftliche Umbrüche, Migration und politische Spannungen? Wie sehen sie ihr literarisches Arbeiten zwischen verschiedenen Kulturen und Sprachräumen?

Über die Gäste

Zachari Karabashliev, Autor, Verleger Zachari Karabashliev, geboren in Varna 1968, schreibt Prosa, Theaterstücke und Drehbücher. Er absolvierte ein Studium der bulgarischen Philologie an der Universität Shumen. 1997 zog er mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten, nach San Diego. 2014 zog er nach Sofia und wurde Chefredakteur des großen Verlagshauses Ciela. Romane: Der letzte Delfinjäger (2025), Wunde (2023), Der Schweif (2021), Havra (2017), 18 % Grau (2008), Durst (2014). Seine Theaterstücke wurden auf Bühnen in Bulgarien und im Ausland aufgeführt. Darüber hinaus veröffentlichte er Erzählbände, Essays und Drehbücher für Spiel- und Kurzfilme. Seine Prosa wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Auszeichnungen (Auswahl): „Roman des Jahres“ der Stiftung „13 Jahrhunderte Bulgarien“, „Hristo G. Danov“ , „Portal Kultur“, „Helikon“, „Goldene Löwe“, „Schriftsteller des Jahres“, Theaterpreis „Askeer“, Doctor honoris causa der Konstantin Preslavsky University of Shumen (2021), Elias-Canetti-Preis (2025). Karabshliev ist Mitglied des Kuratoriums der New Bulgarian University und lehrt Kreatives Schreiben an der Sofia University St. Kliment Ohridski. 2017 gründete er in Varna das Internationale Literaturfestival „Varna Lit“, dessen künstlerischer Leiter er zugleich ist.

Dagmar Leupold, Autorin, Übersetzerin Geboren 1955 in Niederlahnstein. Studium der Germanistik, Philosophie und Altphilologie. Seit 1985 freie Schriftstellerin und Übersetzerin (aus dem Italienischen und Englischen). Von 2004 bis 2021 leitete sie das Studio Literatur und Theater an der Universität Tübingen. Literarische Veröffentlichungen (Auswahl): Edmond. Geschichte einer Sehnsucht (1992), Nach den Kriegen (2004), Die Witwen (2016), Dagegen die Elefanten! (2022), Muttermale (2025). Auszeichnungen (Auswahl): Aspekte Preis, Tukan-Preis der Stadt München, Longlist Deutscher Buchpreis (2013, 2016, 2022), Literaturpreis der Stadt München 2023, Shortlist Bayerischer Buchpreis 2025 „Muttermale“. Mitglied des P.E.N. und des VS.

Eintritt: 15,- Euro


Zum Buch: Der letzte Delfinjäger (Synopsis)

Im staubigen Dunkel eines kleinen Kinos in der Nationalen Filmothek in Sofia begegnet ein Mann seiner Vergangenheit, seiner Zukunft und einer viel älteren Geschichte. Der namenlose Erzähler arbeitet als Übersetzer und Drehbuchberater für eine große internationale Produktion. Ganz zufällig stößt er auf eine vergessene Dokumentation über die Delfinjagd im Schwarzen Meer in den 1950er Jahren. Auf den Aufnahmen sieht er an Deck eines Delfinfangschiffes seinen eigenen Großvater, den er nur von Fotos kennt. Bis dahin weiß er nur, dass dieser wegen Mordes verurteilt worden und im Gefängnis gestorben ist. Aber ist sein Großvater, Ivan Branev, ein Delfinjäger gewesen?

Am selben Tag trifft der Erzähler auf Darina, eine Meeresbiologin, die Delfine erforscht. Von ihr erfährt er, dass diese faszinierenden Geschöpfe noch vor wenigen Jahrzehnten im Schwarzen Meer massenhaft abgeschlachtet wurden. Darinas Forschung ist mit einer wissenschaftlichen Frage verknüpft: Besitzen Delfine ein kollektives Gedächtnis, können sie Wissen, Traumata oder Überlebensstrategien von Generation zu Generation übertragen?

Und so taucht das Leben des Geschichtslehrers Ivan Branev aus der Vergessenheit auf. Die Geschichte führt ins vorige Jahrhundert: Kurz nach seiner Hochzeit wird Branev an die Front geschickt. Nach Kriegsende herrschen kommunistische Tyrannei und Terror. Obwohl er ein überzeugter Demokrat ist, wird der Lehrer Branev „faschistischer Ansichten“ beschuldigt und ohne Gerichtsverfahren in ein Konzentrationslager gesteckt. Ihm werden der Beruf und alle Menschenrechte geraubt. Nach seiner Freilassung nimmt er die einzige Arbeit an, die er findet – als Taucher auf einem Delfinjagdschiff.

Mehr als ein halbes Jahrhundert später führt die eigene Untersuchung den Erzähler in die kleine Schwarzmeerstadt Sozopol zu dem letzten noch lebenden Zeugen. Erst jetzt erfährt er die verborgene Wahrheit: Ivan Branev war kein Mörder. Mit seinem Geständnis hat er jemand anderen gedeckt.

In „Der letzte Delfinjäger“ sind Gegenwart, Vergangenheit und Mythologie miteinander verflochten. Es ist eine Geschichte über die Schuld der Söhne gegenüber den Vätern, über das kollektive Vergessen, über die Grenzen der Menschlichkeit und über das Licht, das über die Dunkelheit triumphiert.